Reinemund in der Presse - Dr. Birgit Reinemund, FDP -

Mannheimer Morgen, 25.06.2010: Die Amerikaner gehen - und hinterlassen offene Fragen

Truppenabzug: Stadtverwaltung will Militärflächen in Wohn- und Gewerbegebiete umnutzen

Neue Wohnviertel, Grünzonen und Gewerbeflächen - damit will Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz den Weggang der amerikanischen Streitkräfte aus Mannheim ausgleichen. Kurz stellte gestern zusammen mit der Chefin der amerikanischen Standortverwaltung, Elisabeth Ryan Griffin, Erstem Bürgermeister Christian Specht und Baudezernent Lothar Quast erste Überlegungen und Konsequenzen vor, die sich aus dem Komplettabzug der US-Armee aus Mannheim bis Ende 2015 ergeben.

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510 Hektar Grund und Boden - mehr als ein Siebtel der Mannheimer Gemarkungsfläche - mit weit über 2000 unterschiedlichen Gebäuden werden praktisch auf einen Schlag frei. Der Großteil der Amerikaner, so präzisierte Specht die Angaben aus dem amerikanischen Verteidigungsministerium, werde die Stadt bereits bis 2014 verlassen.

Garnison schließt im Mai 2011

Eine der ersten, die "Goodbye Mannheim" sagt, ist übrigens die Chefin der Standortverwaltung selbst: Die Mannheimer Garnison schließt als administrative Einheit im Mai kommenden Jahres ihre Pforten. Dienststellen wie Rechtsberatung und Kfz-Zulassung wandern ebenfalls direkt ab, Schulen und Einkaufszentren werden "sukzessive dem Personalbestand angepasst."

Bis zum Abschluss ihres Abzuges Ende 2015 wollen die Amerikaner die Coleman- (Sandhofen) und die Spinelli-Kaserne (Feudenheim) in Betrieb halten, als erste schließen Ende 2010 die Taylor- (Vogelstang) und die Hammond-Kasernen (Seckenheim). Kurz: "Damit hatten wir sowieso gerechnet." Für die sieben Hektar in Seckenheim liegt im Rathaus bereits eine Studie des Frankfurter Architekturbüros Speer vor, das eine Umnutzung als Wohngebiet empfiehlt. Auf der Vogelstang bieten sich 46 Hektar nach Kurz' Ansicht als Gewerbegebiet an.

Obwohl Quast, Specht und Kurz gestern mit Zahlen und Planspielen aus einer zwei Jahre alten Gemeinderatsvorlage operierten, blieb doch vieles im Unklaren. So ist an den meisten der neun Kasernenstandorte eine Wohnbebauung denkbar, die großen, unbebauten Flächen bieten sich als künftige Grünzüge an, auch Gewerbegebiete sind im Grunde an allen Militärstandorten machbar. Die Diskussion darüber, so forderten gestern die Parteien des Gemeinderats, müsse jetzt "ehrlich geführt" werden, wie es FDP-Stadträtin und Bundestagsabgeordnete Dr. Birgit Reinemund formulierte.

Ihre Partei setzt sich für eine Verlagerung des Neuostheimer Flugplatzes nach Sandhofen ein - ein Vorschlag, den die Grünen strikt ablehnen. Der Abzug der US-Truppen sei langfristig eine "große Chance für eine nachhaltige Stadtentwicklung." Massive Auswirkungen fürchtet die CDU und fordert einen "Masterplan" für die weitere Entwicklung. Mit "Zuversicht, Kreativität und Augenmaß" sowie finanzieller Unterstützung von Bund und Land will die SPD die Aufgabe anpacken.

Bei allen Unklarheiten stehen aber zumindest drei Fakten fest: Über 90 Prozent der US-Flächen fallen direkt an die Immobilienverwaltung des Bundes. Die gut 700 deutschen Zivilbeschäftigten verlieren ihre Jobs, werden aber erst in etwa drei Monaten in Personalversammlungen von ihrem Arbeitgeber offiziell informiert. Außerdem verliert Mannheim durch den Weggang der Amerikaner etwa 6,5 Millionen Euro Schlüsselzuweisungen pro Jahr aus dem Landes-Finanzausgleich.

Vom Redaktionsmitglied Thorsten Langscheid

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